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10 Fragen an .... Chefarzt Dr. Genzwürker

harald genzwuerkerBuchen/Mosbach | Mit „10 Fragen an...“ stellen wir in loser Folge interessante Persönlichkeiten aus unserer Region vor. Heute befragen Herrn Dr. med. Harald Genzwürker, der als Chefarzt  Klinik für Anästhesiologie & Intensivmedizin der Neckar-Odenwald-Kliniken seinen Dienst am Standort Buchen im Herbst 2008 und am Standort Mosbach im Januar 2019 aufnahm. Das 10-jähruge Dienstjubiläum in Mosbach nehmen wir zum Anlass, einige Fragen an den engagierten Mediziner zu richten.

Unter seiner Leitung werden an den Standorten Buchen und Mosbach jährlich etwa 7.500 Vollnarkosen und regionale Anästhesieverfahren durchgeführt. Herr Dr. Genzwürker gibt sein Wissen auch als Fachbuchautor und Hochschullehrer weiter. Er ist Familienvater und hat drei Töchter.

Redaktion: „Beschreiben Sie doch bitte kurz das Tätigkeitsfeld eines Anästhesisten.“

Dr. Genzwürker: „Anästhesisten sind zunächst natürlich zuständig für die Narkosen bei allen Eingriffen im OP. Außerdem gehören die Versorgung Schwerkranker auf der Intensivstation, die Behandlung akuter und chronischer Schmerzen, die Notfallversorgung, die Organisation des Transfusionswesens sowie das OP-Management zu unserem Aufgabenspektrum an den Neckar-Odenwald-Kliniken.“

Redaktion: „Was reizt Sie an dieser Arbeit?“

Dr. Genzwürker: „Die Vielseitigkeit des Fachgebiets, die sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Herausforderungen, der fächerübergreifende Ansatz mit regelmäßigen Berührungspunkten zu fast allen sonstigen Fachgebieten – es gibt viele Aspekte, die den Reiz unserer Tätigkeit ausmachen. Allein im Bereich der Narkose gibt es sehr viele Möglichkeiten und Verfahren, die wir beherrschen müssen, um sie den Patientinnen und Patienten anbieten zu können. Neben dem Facharzt für Anästhesiologie habe ich im Laufe der Jahre die Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin erwerben können und konnte dabei viele Aspekte unseres Fachs kennenlernen, die nun in meine tägliche Arbeit einfließen.“

Redaktion: „Sie sind Privatdozent. Was drückt diese Bezeichnung aus?“

Dr. Genzwürker: „Der Titel bedeutet, dass ich für das Fachgebiet Anästhesiologie die Lehrbefugnis einer Hochschule, die sogenannte „Venia legendi“ verliehen bekommen habe. Nach der Promotion in Mannheim habe ich dort auch meine Habilitation begonnen und durfte ab Juli 2009 den Titel Privatdozent führen, also nachdem ich bereits an die Neckar-Odenwald-Kliniken gewechselt hatte. Da wir Akademische Lehrkrankenhäuser der Universität Heidelberg sind, bin ich seit Juli 2013 „umhabilitiert“ und komme dort meiner Lehrverpflichtung in der Studentenausbildung nach.“

Redaktion: „Wie hat sich der Bereich der Anästhesiologie in jüngerer Zeit entwickelt? Welches sind die Fortschritte, von denen die Patienten am meisten profitieren?“

Dr. Genzwürker: „Der entscheidende Aspekt der Entwicklung unserer Fachgebietes ist die Steigerung der Patientensicherheit durch Maßnahmen auf allen Ebenen. Das erstreckt sich von der umfassenden, fünfjährigen Facharztausbildung über die Verbesserung des Monitorings (der Patientenüberwachung) bis zur Einführung von sicheren Einmalartikeln sowie der Etablierung von Standards und Checklisten. Es wurden und werden sehr viele Anstrengungen unternommen, um die Anästhesie sehr sicher zu gestalten. Die Entwicklung der modernen Chirurgie vom Kleinkind bis zum Hochbetagten wäre ohne die Etablierung sicherer Anästhesieverfahren niemals möglich gewesen. Man denke nur an eine mehrstündige große Darmoperation oder auch die mittlerweile routinemäßigen Gelenkersatzverfahren an Knie und Hüfte bei immer älter werdenden Menschen. Wichtig ist uns dabei, dass wir das passende Narkoseverfahren gemeinsam mit den Patienten auswählen, je nach Eingriff eine Vollnarkose oder eine Regionalanästhesie, manchmal auch in Kombination.“

Redaktion: „Warum haben einige Patienten mehr Angst vor einer Narkose als vor einer Operation?“

Dr. Genzwürker: „Die weit verbreitete Angst vor der Narkose rührt unter anderen daher, dass unser Handeln eng mit eine Operation verknüpft ist, mit der der sich große Hoffnungen, aber auch Sorgen verbinden. Wichtiger Aspekt ist sicherlich der Kontrollverlust, das Gefühl des „Ausgeliefertseins“. Wir versuchen deshalb im Rahmen der vorbereitenden Aufklärungsgespräche möglichst genau zu erklären, welche Anstrengungen wir unternehmen, damit die Narkose sicher verläuft. Ich persönlich versichere den Patienten immer, dass ein gewisses Maß an „Lampenfieber“ vor einem Eingriff und einer Narkose völlig normal ist – das alleine beruhigt Viele schon ein bisschen, weil sie sich mit ihren Ängsten verstanden fühlen.

Redaktion: „Gibt es große Unterschiede, ob eine Narkose in einem Krankenhaus in Asien oder in Deutschland vorgenommen wird?“

Dr. Genzwürker: „Die Anästhesie ist wie viele andere Fachgebiete mittlerweile sehr international ausgerichtet, die Fachgesellschaften tauschen sich über Ländergrenzen und Kontinente aus. Meine persönlichen Eindrücke, die ich unter anderem in der Schweiz, den USA, Brasilien, aber auch Malaysia, Thailand und Singapur sammeln durfte, zeigen mir, dass die Grundsätze moderner, sicherer Anästhesieverfahren weit verbreitet sind. Sicher macht es in manchen der genannten und vielen anderen Ländern einen extrem großen Unterschied, ob es sich um öffentliche oder private Kliniken handelt. Letztere werben oft mit einem „westlichen“ Standard und beschäftigen Ärzte aus verschiedenen Ländern. In Deutschland wie im übrigen Europa sind die Standards in der Anästhesie Dank der jahrzehntelangen Arbeit unserer Fachgesellschaften sicher mit am höchsten.“

Redaktion: „Sie sind in Buchen im gleichen Krankenhaus Chefarzt, in dem Sie zur Welt gekommen sind. Drückt sich darin eine große Heimatverbundenheit aus, oder war es eher eine zufällige Fügung?“

Dr. Genzwürker: „Als die Stelle 2008 ausgeschrieben war, hat das natürlich noch ein ganz anderes Interesse ausgelöst als andere Stellenanzeigen. Ich freue mich, dass ich dorthin zurückkehren konnte, wo ich aufgewachsen bin, aus der Schulzeit und auch 17 Jahre nach dem Zivildienst beim DRK noch viele Menschen kannte, wo meine Familie ist, meine Heimat. Dass ich in meinem Geburtshaus in Leitungsfunktion tätig bin, verursacht bei Kollegen oft ein Schmunzeln – das gibt es nicht besonders häufig. Für mich ist es ein großer Glücksfall, der dazu führt, dass ich meine Tätigkeit mit besonders viel Herzblut ausübe und mich in besonders hohem Maße für die Gesundheitsversorgung in unserer Region einsetze.“

Redaktion: „Was schätzen Sie an der Neckar-Odenwald-Region besonders?“

Dr. Genzwürker: „Die Landschaft, das Essen, die Tatsache, dass es alles gibt, was man zum Leben braucht – ganz besonders aber die Menschen. Als gebürtiger Buchener liegt mir natürlich die „Faschenacht“ im Blut, die ja auch in besonderer Weise alt und jung verbindet, das Gesellige, die Gemeinschaft pflegt und fördert. Immer wieder begeistert mich das vielfältige ehrenamtliche Engagement hier im Landkreis, sei es in sozialen oder kulturellen Bereich. Wir leben in einer tollen Gegend!“

Redaktion: „Sie arbeiten an den Krankenhausstandorten Buchen und Mosbach. Was bleibt da noch an Zeit für Privatleben und Familie?“

Dr. Genzwürker: „Da ich immer nur an einem der beiden Standorte arbeiten kann, muss ich ja nicht automatisch doppelt so viel arbeiten wie andere … - Spaß beiseite: Neben der täglichen Arbeit im OP, auf der Intensivstation oder im Notarztdienst sind natürlich noch zahlreiche Sitzungstermine in den Funktionen als Chefarzt und Ärztlicher Direktor wahrzunehmen. Dennoch versuche ich, auch zu Hause präsent zu sein und wann immer möglich Dinge mit der Familie zu unternehmen. Meine Frau und meine Töchter unterstützen mich aber auch nach Kräften und geben mir den notwendigen Rückhalt, den es brauch,t um sich beruflich und zusätzlich auch ehrenamtlich an verschiedenen Stellen zu engagieren.

Redaktion: „Sie sind Initiator und treibende Kraft des Projekts „Kinderhochschule Medizin“. Geht das Projekt dieses Jahr weiter?“

Dr. Genzwürker: „Selbstverständlich werden wir die sehr gut angenommenen Vorlesungen für junge ‚Studierende‘ im Alter von 8 bis 12 Jahren auch 2019 wieder anbieten. In Mosbach werden wir wie gewohnt am letzten Donnerstag und Freitag im Juli einladen, in Buchen wegen der ungewöhnlichen Sommerferienplanung ausnahmsweise für die letzten beiden Ferientage am 09. und 10. September. Zu den Themen werden unter anderem die Wundheilung und die Intensivstation gehören. Infos dazu gibt es unter www.kinderhochschule-medizin.de.“

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