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Kinderhochschule Medizin 2018 - Teil 2

Buchen & Mosbach | Thematisierte das erste Referat der diesjährigen Kinderhochschule Medizin im Mosbacher Ärztehaus die Atmung, so stand das Herz als Motor des menschlichen Lebens im Mittelpunkt des zweiten Vortrags.

Das Referat des Herzspezialisten Johannes Jeschke, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie an den Neckar-Odenwald-Kliniken am Standort Buchen, gab den jungen Veranstaltungsteilnehmern erste Einblicke in die Funktionsweise und die Anatomie des Herzens. Mittels einfacher Bildprojektionen und zum Teil auch mit Selbstversuchen erlebten die Kinder „am eigenen Körper“, wie ihr Herz und ihr Kreislauf funktionieren.

Das Herz als schier unermüdliche Pumpe
Einleitend zeigte der Referent, wie das Herz als Pumpe den Blutkreislauf in Gang hält, womit der ganze Körper den benötigten Sauerstoff und andere Nährstoffe bekommt. Die entsprechenden Versorgungswege im Körper bilden die Blutgefäße, die sich in Arterien (auch Schlagadern genannt) und Venen unterscheiden. Dazu kommen noch die sogenannten Kapillaren, die in den Organen selbst als sehr feine und stark verzweigte Blutbahnen funktionieren.

Die Arterien sind auf Schaubildern und Zeichnungen des menschlichen Körpers immer in roter Farbe dargestellt. In ihnen fließt sauerstoffreiches Blut vom Herz weg zu den Organen hin. Der „Rückweg“ von den Organen zum Herzen erfolgt über die Venen (immer blau dargestellt). Bei Blutspenden wird das Blut von den Venen entnommen. Dieses Blut erscheint dann tatsächlich eher dunkel und bläulich, während das Blut aus den Arterien heller rot ist. Eine junge Teilnehmerin berichtete, dass ihre Mutter Blutspenderin sei. Ihre Frage „Ab welchem Alter darf man in Deutschland Blut spenden?“ war schnell beantwortet: Laut Regelung des Deutschen Roten Kreuzes kann dies jeder gesunde Mensch ab einem Alter von 18 Jahren. Die Altershöchstgrenze wurde 2015 von 68 auf 72 Jahre erhöht.

8.000 Liter am Tag – So stark ist das Herz!
Allgemeines Staunen im Saal des Mosbacher Ärztehauses gab es, als Oberarzt Jeschke darstellte, was das menschliche Herz rund um die Uhr leistet. Dass es etwa 70 Mal pro Minute schlägt, wussten einige Kinder. Dass das Herz etwa fünf Liter Blut pro Minute durch den Körper pumpt, war nicht bekannt. Und ein allgemeines „Ah!“ und „Oh!“ löste es aus, als Herr Jeschke die Pumpleistung vom Herz auf ein Jahr hochrechnete und mit nahezu drei Millionen Liter bezifferte. Für die durchschnittliche Lebensdauer eines Menschen bedeutet dies eine Pumpleistung von 250 Mio. Liter Blut. Dieses Volumen entspricht in etwa dem Fassungsvermögen der größten Tankschiffe.

So ist das Herz aufgebaut
Nachfolgend sahen die Veranstaltungsteilnehmer auf einem Chart, wie ein menschliches Herz aufgebaut ist. Das etwa faustgroße Muskelgebilde ist zwischen den beiden Lungenflügeln eingebettet. Es besteht aus einer rechten und einer linken Hälfte und gliedert sich in vier Herzkammern; jeweils links und rechts einen Vorhof (auch Vorkammer genannt) und eine Kammer (auch Haupt- kammer genannt). Eine Herzscheidewand verläuft in Längsrichtung zwischen den beiden Herzhälften. Aus den beiden Hauptkammern wird das Blut über eine Arterie in den Blutkreislauf gepumpt. Dabei geht das Blut von der rechten Kammer in den Lungenkreislauf, von der linken Kammer in den Körperkreislauf. Die beiden Vorhöfe nehmen das aus dem Kreislauf zurückkehrende Blut auf und lassen es von da aus wieder in jeweilige Herzkammer.

Warum die linke Herzkammer mehr Muskelkraft hat als die rechte, gehört zwar schon zu den Fragen für richtige Medizinstudenten, aber die Antwort darauf ist gar nicht so schwer: Da diese Herzkammer das Blut in den ganzen Körperkreislauf pumpt – und nicht nur, wie die rechte Kammer, in den Lungenkreislauf, bedarf es größerer Kraft. Von der „stärkeren“ linken Herzkammer geht mit der Aorta die größte Arterie als Hauptschlagader ab.

Herzklappen arbeiten wie Fahrradventile
Um zu verhindern, dass das Blut zwischen zwei Pumpbewegungen zurückfließt, befinden sich zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern sowie zwischen Herzkammern und abführenden Arterien verschiedene Arten von Herzklappen. Herr Jeschke veranschaulichte deren Arbeitsweise durch den Vergleich mit einem Fahrradventil: „Alle von Euch, die ihr Fahrrad schon einmal aufgepumpt haben, wissen, dass Fahrradventile die Luft in den Schlauch hineinlassen, aber nicht mehr heraus. Sie heißen deshalb auch Rückschlagventil. Mit dem gleichen Prinzip arbei- ten auch die Herzklappen.“

So geht der Puls hoch
Oberarzt Jeschke erwaähnte auch, dass man als gesunder Mensch seine Herztätigkeit kaum wahrnehme; es sei denn bei sehr hoher psychischer oder physischer Belastung. So habe die oft zu hörende Aussage „Ich war so aufgeregt, dass mir das Herz bis zum Hals schlug“ durchaus ihre Berechtigung. Am eigenen Körper konnten die Veranstaltungsteilnehmer dies spüren, als sie gemeinsam ein paar Luftsprünge machten und ihren Puls auf diese Weise nach oben trieben. Mit den Fingern an der Halsschlagader war das dann auch von allen gut zu überprüfen. Als wichtigen Taktgeber des Herzens wurde der sogenannte „Sinusknoten“ vorgestellt. Er besteht aus Muskelgewebe und Nerven und hat seinen Platz im rechten Vorhof des Herzens. Der Knoten sendet elektrische Impulse an das gesamte Herz, damit es seine Pumpleistung in regelmäßigem Takt vornimmt.

Hellwache und wissbegierige Teilnehmer
Die jungen „Hochschüler“ waren während des ganzen Vortrags allesamt fasziniert, welche Leistungskraft der „menschliche Motor“ vollbringt und welch „tolle innere Ordnung“ mit dem Zusammenspiel von Herz und Kreislauf das Leben ermöglicht. Aber auch der Referent war fasziniert. Er wunderte sich über die Vielzahl an „hellwachen und wissbegierigen Teilnehmern, die als Acht- bis Zwölfjährige schon richtig gescheite Fragen stellten.“ Wobei sich die Fragen in der abschließenden Diskussionsrunde weniger auf das „gesunde Herz“ als vielmehr auf Herz- Kreislauferkrankungen bezogen, von denen die Kinder in ihren Familien gehört hatten. Sie wollten wissen, was ein Herzinfarkt ist, wie sich angeborene Herzfehler auswirken, wie der Blutdruck zu hoch wird, etc. An den zuvor gezeigten Charts konnte Herr Jeschke dann zeigen, wie solche Probleme entstehen und oft auch zu regulieren sind.

Wie kann ich mein Herz schützen
Zum Abschluss der zweiten Vorlesung stand das Thema „Prophylaxe“. Was kann man selbst tun, um sein Herz gesund zu halten? Dazu kennt man inzwischen hilfreiche Antworten. Sie beziehen sich durchweg auf den Lebensstil. Um ein gesundes Herz zu behalten, sollte man seine Ernährung nicht einseitig gestalten und dabei den Konsum von Fleisch und Zucker begrenzen. Gleiches gilt für den Umgang mit Alkohol. Außerdem ist eine innere Balance für ein gesundes Herz gut, Stress und ständige Aufgeregtheit hingegen nicht. Menschen, die eher körperlich aktiv sind und nicht nur den Bürostuhl gegen den Fernsehsessel eintauschen, tun ihrer Gesundheit auch Gutes. Und schlussendlich gab Oberarzt Jeschke seinen Studentinnen und Studenten noch eine kleine Hausaufgabe mit. Er bat sie, ihren Eltern und anderen Verwandten auszurichten, dass sie um ihrer Gesundheit willen das Rauchen sein lassen sollen.

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Quelle: Stadtanzeiger Mosbach | 5. Oktober 2018 | Nr. 40

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